04 – 06 November

Deep Dive Block #5

RPM Komplott

Kontinuität in schwindenden Strukturen

 

In der fünften Ausgabe unserer Deep Dive Sessions steht die Formation RPM Komplott im Fokus. Das Format der akustischen Reduktion diente hier als Werkzeug, um die musikalische Substanz einer Band sichtbar zu machen, die die Aachener Kulturszene über mehrere Jahrzehnte hinweg aktiv miterlebt und mitgestaltet hat.

 

 

Der Diskurs: Bestandsaufnahme einer gefährdeten Musiklandschaft

 

Ein zentraler und kritischer Punkt des Gesprächs war die fundierte Analyse der aktuellen Live-Musik-Strukturen in Aachen. Aus der Perspektive von Musikern, die die Szene über Generationen hinweg begleiten, wurde ein tiefgreifender struktureller Konflikt benannt: Während Aachen früher durch eine dichte Kultur geprägt war, in der Musik in zahlreichen Cafés und kleinen Kneipen niederschwellig stattfinden konnte, beschreibt die Band heute eine fast vollständige Erosion dieser Basis. Der durch die Corona-Pandemie beschleunigte Prozess des Clubsterbens und der Rückgang an kleinen Spielstätten hat dazu geführt, dass wichtige Orte für den künstlerischen Entwicklungsprozess verloren gegangen sind. Die Band mahnt an, dass ohne diese kleinteilige Infrastruktur und die wenigen verbliebenen Festivals der Nährboden für die lokale Musikkultur dauerhaft Schaden nimmt.

 

 

Die Erkenntnis: Reduktion als Antwort auf den Wandel

 

Inmitten dieser schwierigen Rahmenbedingungen thematisiert RPM Komplott die Bedeutung von Beständigkeit. Die Entscheidung, sich im Deep Dive auf das Wesentliche zu konzentrieren, war auch eine Reaktion auf die veränderten Bedingungen: Wenn große Bühnen seltener werden, gewinnt die Qualität des unmittelbaren, ehrlichen Zusammenspiels an Bedeutung. Die Musiker reflektieren, dass ihr eigener, über Jahre gewachsener Klang das Ergebnis eines kontinuierlichen Dialogs ist, der gerade in Zeiten schwindender Auftrittsmöglichkeiten ein hohes Maß an Eigeninitiative und gegenseitigem Vertrauen erfordert.

 

 

Output und Wirkung: Dokumentation als notwendiges Archiv

 

Die Aufnahmen bieten RPM Komplott eine Momentaufnahe mit künstlerischem Anspruch. Angesichts der im Interview beschriebenen „Zerstörung“ der gewohnten Live-Strukturen fungiert das entstandene Material als wichtiges Instrument für die zukünftige Akquise und Sichtbarkeit. Durch die aktive Beteiligung der Artists an der Postproduction wurde sichergestellt, dass das Ergebnis ihre Identität authentisch wiedergibt. Die Session dient somit nicht nur als professionelles Referenzwerk, sondern auch als Zeitzeugnis einer Band, die sich trotz der strukturellen Hürden in Aachen behauptet und ihre künstlerische Qualität konsequent weiterentwickelt.