09  August

Connect Session

Bedarfsanalyse für Aachen

 

Am 09. August versammelten sich Akteurinnen der lokalen Kulturszene, um im Rahmen der zweiten Connect Session gemeinsam an der Zukunftsfähigkeit der Aachener Musiklandschaft zu arbeiten. Ziel der Veranstaltung war es, eine fundierte Bestandsaufnahme der aktuellen Situation vorzunehmen und dabei gezielt die Perspektive von Newcomerinnen einzunehmen. In einem strukturierten Dialog wurden bestehende Ressourcen identifiziert, Defizite benannt und innovative Lösungsansätze entwickelt, um die Sichtbarkeit und Professionalisierung junger Talente nachhaltig zu stärken. Die Resonanz der  Teilnehmenden unterstreicht dabei den hohen Bedarf an Austausch- und Vernetzungsformaten innerhalb der freien Szene.

 

Bestehende Strukturen und lokale Ressourcen

 

Die Diskussion machte deutlich, dass bereits ein beachtliches Fundament an kulturellen Anlaufstellen existiert, auf dem aufgebaut werden kann. Die Teilnehmenden hoben etablierte Spielstätten wie den Musikbunker, den Domkeller, das Wild Rover und das Hotel Europa hervor, die wichtige Säulen der Live-Kultur bilden. Besonders geschätzt werden niederschwellige Einstiegspunkte wie der KingsCorner e.V., der mit einer Kombination aus Workshops, Studioangeboten und Bühnen wertvolle Nachwuchsarbeit leistet. Auch Projekte wie „Keep it Local“ im AZ oder die Südoase wurden als wichtige Freiräume benannt. Auf institutioneller Ebene bilden der Nachtbürgermeister sowie der städtische Kulturbetrieb wichtige Schnittstellen, während überregionale Programme wie Create Music NRW oder die Initiative Musik die strukturelle Anbindung an Land und Bund gewährleisten.

 

Herausforderungen und Barrieren für Newcomer

 

Trotz dieser Basis wurden signifikante Hürden identifiziert, die insbesondere den Weg in die Professionalisierung erschweren. Ein zentrales Thema war die mangelnde Transparenz: Viele Teilnehmende empfinden die lokale Szene als eine geschlossene „Bubble“, deren interne Verantwortlichkeiten und Entscheidungswege von außen kaum nachvollziehbar sind. Oft bleibt unklar, wer die richtigen Ansprechpartner für spezifische Anliegen sind, was zu Frustration führt. Hinzu kommt ein eklatanter Mangel an freien Proberäumen und „Open Stages“, die unabhängig von bestehenden Netzwerken bespielt werden können. Auch die bürokratischen Hürden für Veranstaltungen im öffentlichen Raum wurden kritisiert, da sie die Agilität kleinerer Kollektive und spontaner Kulturformate massiv einschränken.

 

Wissensmanagement: Was Newcomer brauchen

 

Ein wesentlicher Teil der Arbeit befasste sich mit der Frage, welches Wissen für eine erfolgreiche Laufbahn in der Kulturbranche essenziell ist und oft erst mühsam autodidaktisch erlernt werden muss. Dabei kristallisierte sich heraus, dass viele junge Künstler*innen sich zu Beginn ihrer Karriere oft isoliert fühlen. Ein großer Wissensdurst besteht im Bereich der wirtschaftlichen Grundlagen, etwa bei Gagenverhandlungen, steuerlichen Fragen oder dem Selbstverständnis als professionelle Kulturschaffende, die eine faire Vergütung für ihre Arbeit einfordern dürfen. Auch der Wunsch nach technischer Professionalisierung der eigenen Musikproduktion und einem besseren Zugang zu Branchen-Netzwerken sowie Szene-Treffen wurde als entscheidender Faktor für die persönliche Weiterentwicklung benannt.

 

Visionen und innovative Lösungsansätze

 

Die Ergebnisse der Session mündeten in konkreten Visionen für eine vernetztere Zukunft. Um den Austausch zu fördern, schlugen die Teilnehmenden den Einsatz digitaler Tools wie der App „Vampr“ oder die Schaffung einer lokalen „Single-Börse“ für Musiker*innen vor, um die Bandgründung und Kooperationen zu erleichtern. Auch hybride Formate, wie die Kombination aus Live-Konzert und Twitch-Livestream inklusive Interviews, wurden als starke Instrumente zur Reichweitensteigerung identifiziert. Besonders innovativ zeigten sich die Ansätze für neue Spielorte: Formate wie „Hofsessions“ auf privaten Höfen oder Wohnzimmerkonzerte könnten als niederschwellige Alternativen zu etablierten Bühnen fungieren. Zudem wurde angeregt, die Kooperationen mit den Hochschulen (FH und RWTH) zu intensivieren, um die Aufmerksamkeit für subkulturelle Angebote in der Studierendenschaft signifikant zu erhöhen.